WhatsApp-Gruppen für Investmentbetrug
investmentwarnung hat Zugang zu deutschsprachigen WhatsApp-Gruppen erhalten, in denen für betrügerische Investments geworben wird. Der folgende Artikel beschreibt die dazu gewonnenen Erkenntnisse.
Wie gehen die Täter vor?
Die potenziellen Käufer werden zu WhatsApp-Gruppen mit Titeln wie „Deutsch BNB Web3 B12“ hinzugefügt und angehalten weitere Interessenten für die Gruppe vorzuschlagen≥. In diesen Gruppen locken angebliche Mitarbeiter großer Kryptowährungsbörsen wie Binance oder KuCoin mit attraktiven Renditen und Einstiegsboni bei der Investition in Kryptowährungen. Erfundene Autoritäten, oftmals ein vermeintlicher Professor inklusive Assistentin, sowie weitere Gruppenmitglieder liefern Wirtschaftsnachrichten, „Marktanalysen“ und Handelstipps. Andere Gruppenmitglieder stellen Fragen zu Fachbegriffen sowie den Investitionsschritten und berichten von ersten Gewinnen. Die Gruppenkonversation wird auf Deutsch geführt, wirkt jedoch oft unnatürlich und verwendet teils falsche Begrifflichkeiten.
Im vorliegenden Fall ist jedoch die überwiegende Mehrheit der Konversationsbeiträge gefälscht: Bei fast allen aktiven Chat-Teilnehmern, die Interesse zeigen und vermeintlich investieren, handelt es sich um von den Betrügern kontrollierte Accounts. Das Interesse und die Gewinnberichte der anderen Teilnehmer sind also konstruiert, um potenzielle Käufer zum Einstieg zu bewegen. Auch die von einigen Teilnehmern veröffentlichten Bildschirmfotos von Gewinnausschüttungen stellen sich als manipuliert heraus.
Abbildung 1 zeigt beispielhaft die vorgetäuschte Kommunikation zwischen unterschiedlichen Teilnehmern der Gruppe. Die Teilnehmer verwenden unterschiedliche Telefonnummern, werden jedoch durch den Betreiber der Gruppe gesteuert und sollen ein reges Interesse vorspielen.

| Abbildung 1: | Beispiel einer gefälschten Konversation in der Whatsapp-Gruppe "Deutsch BNB Web3 B12" |
Die vorgetäuschten Teilnehmer stellen regelmäßig verschiedene Fragen und simulieren eine Diskussion. Es werden Bildschirmfotos von angeblichen Investitionserfolgen geteilt. Abbildung 2 zeigt zwei Bildschirmfotos der digitalen Geldbörse „Trust Wallet“. Im linken Bildschirmfoto sind an den vergangenen beiden Tagen jeweils mehr als 5.500 US-Dollar (USD) in der Kryptowährung USDT (USD Tether) eingangen, während im rechten Bildschirmfoto mehr als 9.000 USDT zugeflossen sind. Eine höhere Investitionssumme spiegelt sich in einem höheren täglichen Einkommen wieder. Allerdings entspricht der Inhalt der Bildschirmfotos nicht der Realität und die Bilder wurde allein mit Bildverarbeitungssoftware passend zum jeweiligen Beitrag eines Fake-Teilnehmers erstellt.

| Abbildung 2: | Beispiel-Screenshots von Fake-Investoren für vermeintliches Einkommen |
Eine Auswertung der Gruppenaktivität seit Gründung am 31.10.2023 ergab, dass die Gruppe zwischen 21:00 Uhr abends und 09:00 Uhr morgens praktisch keine Aktivität verzeichnete (siehe Abbildung 3). Die mit Abstand höchste Aktivität (obere grüne Linie) wies die Nutzerin Dana H., die „Assistentin“ des erfundenen Professors Michael S. auf.

| Abbildung 3: | Die Whatsapp-Gruppe „Deutsch BNB Web3 B12“ ist ausschließlich zwischen 8 und 20 Uhr aktiv. |

| Abbildung 4: | Kumulierte Nachrichtenaktivität der Whatsapp-Gruppe "Deutsch BNB Web3 B12" |
In der analysierten Gruppe nutzen, mit Ausnahme einer britischen Telefonnummer, alle aktiven Konversationsteilnehmer deutsche Telefonnummern. Die Gruppe wurde von einer US-amerikanischen Telefonnummer erstellt, frühe Gruppeneinladungen erfolgten durch indonesische Telefonnummern.
Wie genau erfolgt der Betrug?
Diese Arten von Betrug gliedert sich in verschiedene Phasen:
- Phase: Hat sich ein Interessent zur Investition entschlossen, wird es auf eine von unzähligen, von den Betrügern kontrollierten, Investitions-Plattformen gelotst. Dabei muss der Interessent den zu investierenden Kryptowährungsbetrag zunächst auf einer Kryptowährungsbörse wie Binance erwerben und auf ein von ihm selbst verwaltetes Zwischenkonto transferieren. Die Betrüger geben im Rahmen Ihres „Kundensupports“ Hilfestellungen bei den notwendigen Schritten. Bei der Investition werden üblicherweise dollargebundene digitale Währungen (USDT oder USDC) in den Ethereum-, Binance-Smart-Chain- (BSC-), oder Tron-Netzwerken genutzt. Die Betrüger empfehlen im vorliegenden Fall „Trust Wallet“, eine digitale Geldbörse für Kryptowährungen. Im Rahmen der ersten Testinvestition eines geringen Betrages wird vom Investor eine Zustimmung verlangt, die den Betrügern unbegrenzte Verfügungsrechte über dessen Geldbörse, ähnlich eines unbeschränkten Lastschrifteneinzugs, einräumt. Die Tragweite dieser Zustimmung dürfte den meisten Investoren verborgen bleiben.
- Phase: Die Investitionsplattform zeigt beachtliche Gewinne an und Gewinnausschüttungen kleinerer Beträge sind erfolgreich möglich. Da die Methode zu funktionieren scheint, schießen Investoren nun größere Beträge nach. Die Plattform zeigt weiterhin Gewinne an. Diese Phase ist von beliebiger Länge.
- Phase: Der Investor verlangt die Auszahlung größerer Gewinne. Vonseiten der Plattform wird eine Auszahlung in Aussicht gestellt, jedoch an Bedingungen geknüpft, die zunächst weitere Einzahlungen erfordern (Zahlungen vermeintlicher Steuern, weitere Einzahlungen zum Erreichen vermeintlicher Mindestbeträge, Strafzahlungen aufgrund von Geldwäschevorschriften, etc.) Eine tatsächliche Auszahlung bleibt jedoch aus.
- Phase: Die Plattform stellt den Betrieb und/oder den Kontakt ein.
Was ist noch zu dieser Masche bekannt?
Grundsätzlich handelt es sich um einen sogenannten „Liquidity Mining Scam“, bei dem Opfer mit hohen Renditen auf erfolgte Einzahlungen gelockt werden. In den Schritten 2 und 3 ähnelt das Vorgehen der Standardprozedur von Investitionsbetrügern. Im vorliegenden Fall liegt die Besonderheit in der Kontaktanbahnung mittels Whatsapp-Gruppeneinladungen und gefälschten Gruppenkonversationen. In der Vergangenheit wurden die Opfer oft per „Love Scam“, einer modernen Version des Heiratsschwindels, auf die falschen Investitionsplattformen gelotst. Dieser Ansatz ist jedoch für die Betrüger sehr arbeits- und zeitintensiv, da zunächst ein intensives Vertrauensverhältnis aufgebaut werden muss.
Der hier vorliegende Ansatz bietet den Vorteil, in kurzer Zeit eine große Anzahl potenzieller Opfer ansprechen zu können. Gruppeneinladungen können automatisiert verschickt, falsche Konversationsbeiträge durch künstliche Intelligenz automatisch erstellt, in beliebige Sprachen übersetzt und gesendet werden. So senken die Betrüger Kosten und Personalbedarf. Erste Analysen von investmentwarnung haben ergeben, dass die Schadenssummen in den vorliegenden Fällen gegenüber der Ansprache per „Love Scam“ geringer ausfallen – vermutlich führt ein intensives Vertrauensverhältnis zu einer höheren Investitionsbereitschaft.
Die Recherchen von investmentwarnung zeigten weiterhin, dass die Ansprache über ähnlich gestaltete Whatsapp-Gruppen seit mindestens 10 Monaten weltweit erfolgt. Die Gruppenbenennungen enthalten oft die Landesangabe und eine Gruppenkennnummer bestehend aus Buchstaben und Zahlen, beispielsweise „Deutsch BNB Web3 B12“. Ein Nutzer berichtete von einer Gruppe mit dem Namen „Deutsch BNB Web3 B1“, was nahelegt, dass mindestens 12 nahezu identisch benannte Gruppen existieren [1].
Die Spuren deuten auf oftmals chinesischsprachige Tätergruppen, die typischerweise aus Südostasien heraus agieren und häufig hunderte bis tausende von Mitarbeitern pro Standort aufweisen. Laut UN-Angaben werden in Südostasien hunderttausende Personen unter sklavenähnlichen Bedingungen zum Onlinebetrug gezwungen [2].
Vor diesem Hintergrund geht investmentwarnung von tausenden ähnlichen Whatsapp-Gruppen aus. Die Kryptowährungsbörse Binance, deren Identität bei der beschriebenen Masche häufig missbraucht wird, hat bereits im August 2023 davor gewarnt [3].
Wie können Sie sich schützen?
- Lehnen Sie fremde Anfragen auf elektronischen Kommunikationsplattformen grundsätzlich ab, wenn Sie die Person nicht auch im realen Leben kennen.
- Akzeptieren Sie keine Investitionsempfehlungen über Social-Media-Kanäle.
- Investieren Sie nicht in Produkte, die Sie nicht verstehen.
- Besprechen Sie anstehende Investitionsentscheidungen mit Vertrauenspersonen.
- Hinterfragen Sie unrealistisch hohe Gewinnprognosen kritisch.
- Setzten Sie bei Investitionen keine Summen ein, deren Verlust Sie nicht verschmerzen können.
- Wenden Sie sich im Zweifelsfall an das Verbrauchertelefon der BaFin.
Was können Betroffene tun?
- Erstatten Sie Anzeige im Fall eines Betruges.
- Prüfen Sie, ob anwaltlicher Beistand notwendig ist.
- Prüfen Sie, ob die Beauftragung eines IT-Forensikers von investmentwarnung die Ermittlungen in Ihrem Fall voranbringen könnte.
Haben Sie einen Betrugsverdacht und benötigen Hilfe?
Typische Betrugsfälle
- Sie investieren in Finanzprodukte und Ihnen wurden Auszahlungen erschwert oder verweigert.
- Ihr neuer Online-Partner verlangt von Ihnen erst gelegentlich und dann immer wieder Zahlungen.
- Ihnen wurde eine hohe Zahlung in Aussicht gestellt (z.B. Erbschaft, hoher Gewinn) und Sie sollen die vorher anfallenden Gebühren bezahlen.
Als Spezialist helfen wir bei der Spurensuche
- Wir verschaffen Klarheit und prüfen Ihren Fall.
- Unsere IT-Forensiker sind auf die Auswertung digitaler Spuren (z.B. Online-Chats, benutzte Webseiten, Anrufe, E-Mails) spezialisiert.
- Wir verfolgen Ihre Zahlungen und helfen bei der Aufklärung.
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